Kulturstrategie 2030 im Check

Die Kunst- und Kulturstrategie Kärnten | Koroška 2030 ist veröffentlicht. Nach einem zweijährigen Prozess liegt damit erstmals ein gemeinsamer Plan für die kulturpolitische Entwicklung des Landes vor. Parallel zum Erarbeitungsprozess hat die IG KiKK auf Basis einer österreichweiten Analyse von Kulturstrategien Empfehlungen für die Kärntner Strategie entwickelt. Wie viel davon wurde aufgegriffen? Die folgende Einordnung zeigt, inwiefern zentrale Empfehlungen der IG KiKK in der vorliegenden Strategie berücksichtigt wurden.

Bewertung der Kunst- und Kulturstrategie 2030

Die vorliegende Kulturstrategie Kärnten | Koroška 2030 ist ein bedeutender kulturpolitischer Meilenstein. Sie erfüllt die langjährige Forderung des Rechnungshofes, folgt den Empfehlungen der IG KiKK und setzt diese nahezu vollständig um.

Es wurden in diesem Prozess 24 Ziele und 67 konkrete Maßnahmen erarbeitet. Dies ist das Ergebnis eines breit angelegten Beteiligungsprozesses mit rund 1.400 Mitwirkenden aus Kunst, Kultur und Zivilgesellschaft, die ihre Expertise und Zeit eingebracht haben. Aus demokratiepolitischer Sicht ist dieses gelungene Partizipationsverfahren hervorzuheben. Die Strategie basiert auf fachlicher Expertise aus allen Sparten und berücksichtigt regionale Besonderheiten sowie Querschnittsthemen und Synergieeffekte.

 

Politische Verantwortung und Kontinuität

Die Strategie enthält klare kulturpolitische Bekenntnisse:

  • zur gesellschaftlichen Bedeutung von Kunst und Kultur,
  • zur Vielfalt als konstitutive Stärke,
  • zur Mehrsprachigkeit – insbesondere zum Mehrwert der slowenischen Sprache,
  • zur Bedeutung des interkulturellen Austauschs durch die Lage Kärntens/Koroška im Alpe-Adria-Raum,
  • zur Anerkennung von Kunst und Kultur als Wirtschaftsfaktor,
  • zur kulturpolitischen Querschnittsfunktion von Kunst und Kultur.

Klare Vision und konkrete Maßnahmen

Die Einleitungen zu den Schwerpunkthemen – Vernetzung und Kooperation, Erbe im Wandel, Räume der Kunst und Kultur, Kunst, Kultur und Tourismus, Unterstützung für Kunst und Kultur sowie Zugänge zu Kunst und Kultur – formulieren klare kulturpolitische Visionen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturgremium bzw. spartenspezifischen Expert:innen erarbeitet wurden.

Die vorgesehenen Maßnahmen sind realistisch und umsetzbar. Von besonderer Bedeutung aus Sicht der IG KiKK sind der gemeinsame Veranstaltungskalender mit der Kärnten Werbung, der hoffentlich ein erster Schritt in eine engere Zusammenarbeit ist. Weiters sind der Ausbau der Anzahl von Mehrjahresverträgen und des Stipendienprogrammes wichtige Drehregler für mehr Absicherung von Kulturarbeit. Der bereits in Umsetzung befindliche Einstieg in das österreichweite Programm Hunger auf Kunst und Kultur beendet einen Alleingang Kärntens und ermöglicht mehr kulturelle Teilhabe für Armutsbetroffene. Mit dem Beginn eines Raumindex für Kunst und Kultur trägt auch die IG KiKK ihren Teil zu besserer Sichtbarkeit von kulturellen Räumen und mehr Kooperation in der Szene bei.

Aus fachlicher Perspektive wäre in einzelnen Bereichen eine stärkere Konkretisierung wünschenswert gewesen. Gleichzeitig ist nachvollziehbar, dass die Strategie bewusst breit angelegt wurde, um möglichst keine Bereiche auszuschließen.

Ressourcen und Rahmenbedingungen

Die Umsetzung der Strategie erfordert stabile personelle und finanzielle Grundlagen. Diese Absicherung ist insbesondere in den folgenden festgeschriebenen Werten enthalten:

Erhalt der eigenständigen Kulturabteilung: 

Die Kunst- und Kulturstrategie nennt den Erhalt einer eigenständigen Kulturabteilung als wesentliche Rahmenbedingung für ihre Umsetzung. Dieses Ziel konnte inzwischen erreicht werden: Die von der IG KiKK initiierte Petition zum Erhalt der Abteilung 14 war erfolgreich. Im Zuge der Verwaltungsreform blieb die Kultur als eigenständige Abteilung erhalten und wurde zur Abteilung 4 – Kunst, Kultur und Gesellschaft weiterentwickelt. Die Kulturagenden blieben unverändert, gleichzeitig wurde die Abteilung um die Bereiche Frauen und Gleichbehandlung, Gesellschaft sowie die Musikschulen erweitert.

Zielwert von 1 % des Landeshaushalts

Ein zentrales Element politischer Verantwortung ist die Finanzierung der Strategie. Laut aktuellem Kulturbericht (Stand 2024) liegt der Anteil der Kulturausgaben am Gesamthaushalt des Landes Kärnten bei rund 0,87 %. Im bundesweiten Vergleich befindet sich Kärnten damit im unteren Bereich. Der Zielwert 1 % würde:

  • eine Angleichung an andere Bundesländer ermöglichen,

  • eine Anhebung der Förderungen ermöglichen und Arbeitsbedingungen verbessern,

  • die Umsetzung der strategisch festgelegten Maßnahmen realistisch absichern.

Querschnitt und regionale Verankerung

Die Strategie versteht Kulturpolitik als Querschnittsaufgabe und verknüpft die Maßnahmen mit Gemeinden, Hochschulen, dem tertiären Bildungssektor, allen Generationen sowie mit Tourismus, Wirtschaft und regionalen wie internationalen Entwicklungen.

Diese breite Verankerung entspricht zeitgemäßen kulturpolitischen Standards und stärkt die Anbindung an andere Politikfelder. Positiv ist zudem, dass die strategische Landesentwicklung einbezogen wird, um Innovation, Technologie und Forschung künftig ausdrücklich um Kunst und Kultur zu ergänzen.

Evaluierung und Weiterentwicklung

Positiv zu bewerten ist die Festschreibung eines Monitorings sowie einer externen Evaluierung. Dies ist essenziell, da eine Selbstevaluierung durch die Verwaltung nicht ausreichend wäre, um Transparenz und Glaubwürdigkeit sicherzustellen. Regelmäßige Überprüfung ermöglicht Anpassungen und stärkt die Legitimität des Gesamtprozesses.

Glaubwürdigkeit in der Umsetzung

Für die Glaubwürdigkeit der Kunst- und Kulturstrategie Kärnten Koroška 2030 ist nun die zeitnahe Umsetzung erfolgsentscheidend. Angesichts der öffentlichen Diskussion über die Kosten des Strategieprozesses – von den veranschlagten rund 500.000 € wurden letztlich knapp 280.000 € benötigt – ist es nun geboten, die erarbeiteten Maßnahmen konsequent umzusetzen. Dafür empfiehlt die IG KiKK, eine Priorisierung zu erarbeiten, um die vorhandenen Ressourcen sinnvoll einzusetzen und spürbare Effekte in der Szene zu erzielen.

Perspektive der Freien Szene

Für die Freie Szene wird nun entscheidend sein, welche Verbesserungen sich aus der Strategie konkret ergeben. Besonders relevant sind aus Sicht der IG KiKK das Bekenntnis zu Fair Pay, der Ausbau von Mehrjahresförderungen und die langfristige Perspektive einer Erhöhung des Kulturbudgets. Erste Maßnahmen der Strategie sind bereits in Umsetzung, darunter der Beitritt Kärntens zu „Hunger auf Kunst und Kultur“. Auch selbst trägt die IG KiKK zur Umsetzung bei: Mit dem „Kulturraum Index“ entsteht derzeit eine interaktive Landkarte, die Kulturorte in Kärnten/Koroška sichtbar machen und die Suche nach geeigneten Räumen erleichtern soll. Für die weiteren Schritte braucht es nun eine klare Priorisierung der Maßnahmen, damit die vorhandenen Ressourcen gezielt eingesetzt werden. Entscheidend wird sein, die Umsetzung regelmäßig zu evaluieren und die Strategie bei Bedarf weiterzuentwickeln.